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Das ist eine Nummer zu groß! Oder nicht?

Fünf interessante Dinge über Zittaus Kulturhauptstadtbewerbung


11. Apr. 2019

Die Idee für die Kulturhauptstadtbewerbung ist nicht vom Zittauer Oberbürgermeister.
In der Regel wird der Zittauer Oberbürgermeister mit der Idee, sich mit einem grenzübergreifenden Konzept als europäische Kulturhauptstadt zu bewerben, in Verbindung gebracht. Die Idee ist aber gar nicht von ihm, sondern von Landrat Bernd Lange. Der Landrat hat OB Zenker vor knapp einem Jahr gefragt, ob er sich vorstellen könnte, dass sich die Stadt Zittau bewirbt.

Es gibt kaum Widerspruch.

Zenker selbst reagierte zunächst skeptisch: „Das schaffen wir nicht. Das ist eine Nummer zu groß“, war sein erster Gedanke. Er bat sich Bedenkzeit aus und führte viele Gespräche. Doch mit wem er auch sprach - er traf vor allem auf Begeisterung. Selbst ansonsten als skeptisch bekannte Unternehmer meinten: „Tut irgendetwas weh, wenn wir das machen? Kann irgendetwas passieren?“ Der OB hat versucht, Kritiker der Idee zu finden - blieb damit aber erfolglos mit Ausnahme einer Handvoll Leute, die Ideen deshalb nicht gut finden, weil sie die Leute nicht leiden können, von denen sie stammen. Besonders groß war der Zuspruch in den Bereichen Tourismus, Marketing und Kultur.

Zittau ist nicht die einzige kleine Stadt, die sich bewirbt.

Das Bewerbungsverfahren für die Kulturhauptstadt hat sich verändert. Es geht nicht mehr nur um Metropolen, sondern um Konzepte. Das macht es möglich, dass sich auch kleine, besondere Städte mit guten Ideen bewerben. Beispielsweise gibt eine Kleinstadt in Slowenien namens Nova Gorica, die sich ebenfalls bewirbt – sogar in Abstimmung mit der Stadt Zittau. Nova Gorica hat einschließlich einiger Vororte etwa 30.000 Einwohner und ist bedingt durch die Grenzziehung zwischen Italien und dem ehemaligen Jugoslawien nach dem Zweiten Weltkrieg eine fast vollständig am Reißbrett entstandene Stadt. Das 3mag-Team wird bald einmal nach Nova Gorica reisen, um von dort zu berichten.

Die Städte in der Region müssen ohnehin an ihre Zukunft denken - im regionalen Verbund gelingt das besser.

In Zeiten schnellen Wandels brauchen die Städte der Region eine Vorstellung davon, wie sie in Zukunft erfolgreich und lebenswert sein können. Wenn man größere Projekte vorhat - beispielsweise Sanierungsprojekte wie die Zittauer Mandaukaserne oder regionale Vorhaben wie die stärkere Vernetzung der Tourismusangebote in der Oberlausitz, muss man ohnehin planen, und Planung kostet immer Geld. Die Kulturhauptstadtbewerbung ist ein guter Weg, sich intensiv damit zu beschäftigen und dabei mit vielen Partnern in der Region zusammenzuarbeiten. So entsteht eine Vision für die Zukunft nicht nur für Zittau, sondern auch für die ganze Region, und das vor allem auch über die Grenzen nach Polen und Tschechien hinweg. Zittau liegt zu weit von Dresden weg, um von einer Art „Metropoleneffekt“ zu profitieren. Der Blick auf die Stadt und die Region Oberlausitz ändert sich aber, wenn man beispielsweise Städte wie Liberec mit in Planungen einbezieht. Der Bezirkshauptmann des Liberecký kraj, Martin Půta, ist begeistert von der Idee.

Es geht beim regionalen Kulturangebot nicht darum, mehr zu machen.

Die Region verfügt über ein breites Kulturangebot, und mit der Kulturhauptstadtbewerbung soll keineswegs noch mehr Angebot geschaffen werden. Thomas Zenker: „Zittau ist keine Großstadt. Wir haben schon ein sehr breites Angebot, das sich aber kaum vernetzen lässt. Wir haben auch relativ feste Gruppen, die nur an bestimmte Orte gehen. Es gibt zum Beispiel Leute, die sich für Hochkulturangebote interessieren und diese besuchen. Wenn man diese Angebote zum Beispiel an andere Orte bringen würde, würde sich das Publikum erweitern. Die Kulturhauptstadtbewerbung bewirkt, und zwar unabhängig davon, ob sie gelingt oder nicht, eine stärkere Vernetzung der Angebote - auch über die Grenzen hinweg. Interessierte Menschen und vor allem auch Touristen sollten besser als bisher über bestehende Angebote informiert werden. Wer weiß zum Beispiel, dass Liberec ein tolles Opernhaus hat, in dem das Programm in deutscher, tschechischer und polnischer Sprache übertitelt wird? Oder dass, wenn die Bílí Tygři spielen, jedes Mal zwischen 500 und 1000 deutsche Fans anreisen?“

Am 28.12.2018 traf ich Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker, um mehr über die Idee der Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt 2025 zu erfahren. Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung unseres Gesprächs. Der Zittauer Stadtrat hat Oberbürgermeister Zenker einstimmig beauftragt, die Bewerbung vorzubereiten. Die endgültige Entscheidung, ob sich die Stadt Zittau als Kulturhauptstadt bewirbt, soll am 26. Mai durch einen Bürgerentscheid gefällt werden.

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11. Apr. 2019|Jörg Heidig

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