Das Dreiländermagazin
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Demografie- und Strukturwandel in der Oberlausitz

Eine Bestandsaufnahme


30. Apr. 2022

Oberlausitz im Wandel

Struktur- und Demografiewandel gehören seit mehr als 30 Jahren zur Oberlausitz. Seitdem sind Themen wie der Wegzug vorwiegend jüngerer und gut ausgebildeter Menschen, Überalterung der Bevölkerung, Arbeitslosigkeit und mangelhafte Infrastruktur immer präsent. Neben den Umbrüchen und Transformationsprozessen der Nachwendezeit steht durch den Ausstieg aus der Braunkohle 2038 der nächste Einschnitt in der Region bevor.

Längst haben Menschen Antworten auf die Fragen nach der Zukunft gefunden. In Initiativen und Projekten werden Themen wie Bildung, die Förderung neuer Wirtschaftsideen, Kreativwirtschaft und der Ausbau von Infrastruktur untersucht. Die Raumpionierstation Oberlausitz hat es sich zum Beispiel zur Aufgabe gemacht, durch kreatives Regionalmarketing Menschen für die Oberlausitz zu begeistern und durch Zuzug den Bevölkerungsrückgang abzuschwächen. Das „Bündnis Zukunft Oberlausitz" präsentiert einen Großteil der regionalen Initiativen, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen. Diese Initiative von Unternehmern, Politikern, Wissenschaftlern, Künstlern und Zukunftsdenkern vernetzt kreative Menschen und bringt sie miteinander in Kontakt, um so neue Ideen und Projekte sowie kreative unternehmerische Innovationen für die Region zu fördern. Einen Überblick über die bisher umgesetzten Initiativen bietet auch das Portal der Sächsischen Landesregierung „Gemeinsam Chancen gestalten! Demografischer Wandel in Sachsen“.


Ideen und Projekte fördern

Wie entscheidend das Überdenken der Arbeitswelten ist, zeigt das Projekt New Work Oberlausitz, bestimmen doch Wertschöpfung und Arbeit einen großen Teil des Lebens. Gemeinsam mit Organisationen und Betrieben ist das Projektteam der Frage nach verbesserten Arbeitsprozessen nachgegangen. New Work orientiert sich an einem neuen Umgang mit Wissen und Freiheit und setzt auf das Miteinander der Gruppe. Eine wertebasierte Arbeit wirkt sich positiv auf die Persönlichkeit der Menschen und erfolgreich auf die Organisationen aus.

Mit einer vergleichbaren Einladung geht die Projektwerkstatt ahoj unter der Trägerschaft des ideenfluß e. V. auf Menschen zu. Sie inspirieren dazu, eigenen Ideen zu folgen und Projekte umzusetzen. Das ahoj-Team bestärkt Menschen darin, den eigenen Gründungsweg zu beschreiten, unterstützt durch die Vermittlung von Erfahrungen und hilft bei der Gründung eigener Unternehmen.

Die teils sehr unterschiedlichen Perspektiven auf die Prozesse der Regionalentwicklung stellt Johannes Staemmler in dem von ihm herausgegeben Buch „Wir machen das schon – Lausitz im Wandel“ vor. Fünfzehn Menschen erzählen über ihre Erfahrungen, ihr Lebensumfeld, ihre Projekte und was sie sich für die Lausitz nach dem Strukturwandel wünschen. Es sind ganz unterschiedliche Sichtweisen aus der Nieder- und der Oberlausitz, von Männern und Frauen, von Einheimischen, Wiederkehrern und Zugezogenen. So unterschiedlich die Erfahrungen und Ansichten der Porträtierten sind, es gibt eine Frage, die alle eint: Wohin geht es mit der Lausitz nach dem Ausstieg aus der Braunkohleförderung, die nicht nur einen wirtschaftlichen Wandel nach sich ziehen wird, sondern auch einen sozialen und gesellschaftlichen? Franziska Schubert ist eine der Porträtierten aus dem Buch. Sie wirbt für mehr Bürgerbeteiligung im Strukturwandel. Wie haben mit ihr darüber gesprochen, wie das gelingen kann und welche Herausforderungen es in der Oberlausitz gibt

Bürgerbeteiligung die funktiert – Mitnahme der Menschen

In Weißwasser wählt das Projekt „Modellfall Weißwasser“ einen performativen Ansatz und untersucht Entwicklungspotentiale und mögliche Transformationsprozesse. Gemeinsam mit den Menschen auf der Straße und inspiriert vom Bauhaus wurden im öffentlichen Raum Möglichkeiten gefunden, Prozesse anzustoßen und positiv zu gestalten - eine „Kultur des Ermöglichens“. Anhand von Bauhaus-Arbeitsthesen wird eine Debatte um die Zukunft der Lausitz geführt, um schließlich Antworten für den gegenwärtigen Strukturwandel abzuleiten.

Großartige Ideen entstanden auch in Zittau während der Bewerbungsphase um den Titel Kulturhauptstadt Europas. Der Freundeskreis KulturHerzStadt Zittau war sich mit vielen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt einig, dass die Zukunft gemeinsam mit den Nachbarn in Polen und Tschechien gestaltet werden soll. Heraus aus den geopolitischen Randlagen und hinein in eine grenzübergreifende europäische Region war die Devise. Das Motto 365°LEBEN beschreibt die Lebensausrichtung auf ein Zusammengehen mit den regionalen Partnern.

Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor für die Zukunft

Einen starken Bereich für die Entwicklung der Region beschreibt auch die Kultur- und Kreativwirtschaft. Das Projekt Kreative Lausitz macht einmal mehr deutlich, dass die Kreativen bestimmend für die kulturelle Angebotsvielfalt und für die wirtschaftliche Entwicklung sind. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein wachsender Wirtschaftszweig und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Innovationskraft. Gleichzeitig betonen die Macher*innen bei Kreative Lausitz, dass die Kreativwirtschaft attraktive Arbeitsplätze für Fachkräfte und Absolvent*innen auch aus Großstädten bietet, weil Mitgestaltungsmöglichkeiten und Teilhabe an einem spannenden gesellschaftlichen Prozess mit hoher Lebensqualität verbunden sind.

Grundtenor aller erwähnten Initiativen besteht im Grundoptimismus und der Erkenntnis, dass die Lausitz gute Ausgangsbedingungen für den bevorstehenden Wandel besitzt. Die meisten Menschen stehen den zukünftigen Aufgaben trotz der Erfahrungen mit Arbeitsplatzverlust, Abwanderung und die Sicht auf die ländliche Peripherie optimistisch und positiv gegenüber.

Lausitz-Monitor untersucht Zukunftsthemen

Zu diesem Schluss kommt auch Lausitz Monitor, eine repräsentative Bevölkerungsbefragung, mit der Meinungen zu den Zukunftsthemen der Lausitz erhoben werden. Die Kooperation von MAS Partners aus Leipzig und Prozesspsycholgen aus Görlitz kommt zu dem Schluss, dass die Menschen eine Vision für die Lausitz brauchen. Die Erfahrungen zeigen: Wenn konkrete Ziele und Projekte angesteuert werden, haben Unternehmer, Privatleute, Vereine eigene Vorhaben gestartet. Dafür braucht es aber ein starkes Bild.

In Anbetracht so vieler Perspektiven, klugen Ideen und positiven Initiativen stellt sich die Frage, warum nicht ein Ruck durch die Gesellschaft geht und wir gemeinsam die Zukunft in Hände nehmen. Warum bleiben viele skeptisch, wenn für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft gute Voraussetzungen vorhanden sind?

Wie wollen die Menschen der Region dem Demografie- und Strukturwandel begegnen?

Als trinationales Kulturmagazin stellen wir das Thema Demografie- und Strukturwandel in den nächsten Wochen in den Mittelpunkt. Wir wollen wissen, was die Menschen in der Region denken. Im Rahmen einer Schreibwerkstatt bieten wir Workshops für journalistisches Schreiben an, die vor allem jüngere und ältere Menschen befähigen sollen, ihre Erfahrungen, Hoffnungen und Wünsche aufzuschreiben und mit den Leserinnen und Lesern zu diskutieren. Die Ergebnisse stellen wir in einer eigenen Rubrik „Leben in Zittau“ vor. Auf diese Weise soll eine Sammlung von Artikeln entstehen, die die Ideen für die Zukunft und die eigne Beteiligung an den Entwicklungen widerspiegelt.

Wir werden unter anderem folgenden Fragen nachgehen:

Was macht für mich die Region attraktiv und lebenswert? Was verstehe ich als die Region? Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Leben in der Region? Wie wollen wir in Zukunft hier leben? Was muss sich verändern? Worin liegt Potential für eine positive Entwicklung der Region? Wie kann man den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken?

Vielleicht stellen auch Sie folgende Frage: Wenn sie die Möglichkeit hätten, 2022 etwas zu bewegen oder anzupacken, was Ihnen wichtig ist – was würden Sie angehen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten? Wofür würden sie sich engagieren? Was würden Sie tun, um Veränderungen einzuleiten oder voranzutreiben?

Schreiben Sie uns per E-Mail oder auf unserer Diskussionsseite #oberlausitzimwandel Wir sind gespannt, wofür Sie sich entscheiden.

Du hast eine Idee für einen Artikel? Wir besuchen dich gerne, schreib uns via info@3mag.eu.

30. Apr. 2022|Juliane Wünsche und Thomas Kluttig

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