Das Dreiländermagazin
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Powerkontakte zwischen den Landkreisen Görlitz und Zgorzelec

Zittau bewirbt sich gemeinsam mir der 3LänderRegion um den Titel Kulturhauptstadt Europas. Was denken die Nachbarn über das Vorhaben? Wie wollen sie sich einbringen?


03. Sept. 2019

3mag war im Gespräch mit dem Journalisten Mariusz Klonowski und Mirosław Fiedorowicz, Oberst der Polnischen Armee a.D., ehemaliger Bürgermeister der Stadt Zgorzelec und gegenwärtig Vizelandrat des Landkreises Zgorzelec.

Herr Fiedorowicz, sie haben während Ihrer Amtszeit als Bürgermeister von Zgorzelec von 1998 bis 2006 die Bewerbung der Europastadt Görlitz/Zgorzelec als Kulturhauptstadt Europas mit getragen?

Ja, zusammen mit dem Oberbürgermeister von Görlitz, Herrn Prof. Dr. Rolf Karbaum. In unserer Zeit waren die deutsch-polnischen Beziehungen zwischen den beiden Stadthälften sehr intensiv und gut gewesen. Der Bewerbungsprozess hat unsere Kontakte mit der deutschen Seite sehr intensiviert, man kann sogar von „Powerkontakten” sprechen. Heutzutage treffen wir uns immer noch und sind inzwischen gute Freunde geworden.

Wenn Sie jetzt hören, Zittau bewirbt sich gemeinsam mit der 3LänderRegion als Kulturhauptstadt Europas – Werden sie dies unterstützen?

Mit großer Freude.

Die Stadt Görlitz wurde in der Bewerbungsphase in Deutschland national und international bekannt. Würden Sie dasselbe von Zgorzelec sagen?

Erstens würde ich es nicht getrennt betrachten sondern als gemeinsame Europastadt Görlitz-Zgorzelec. Zweitens sind wir seit dem in Brüssel, in Berlin und in Warszawa sowie in anderen europäischen Städten bekannt, man wusste ja vorher nicht, wo Görlitz/Zgorzelec liegt. Das kam auch durch unzählige Einladungen. Wir waren sehr oft eingeladen, zu deutsch-polnischen Events, in die Botschaften unterschiedlicher europäischer Länder. Wir wurden nach unserer Meinung gefragt. Das erlangte Prestige hat sehr bei der Förderung für unsere beiden Städte geholfen. Beispielsweise ist Dank dessen ein Projekt namens Brückenpark entstanden und im Zuge der Bewerbung wurde die Altstadtbrücke gebaut. Ich habe damals die Revitalisierung der Neißevorstadt – dem ältesten Teil von Zgorzelec – angeregt. Und ich hoffe, dass der neue Bewerbungsprozess Zittau 2025 ähnliche Effekte haben wird und dass wir 2030 auf ähnlich schöne Ergebnisse zurückverweisen können.

Man kann also sagen, dass der Bewerbungsprozess allein bereits den Schwung mit sich bringt, um eine positive Entwicklung auf den Weg zu bringen?

Aber genauso so funktioniert es, das kann ich auch als ehemaliger Offizier sagen. Ich war Befehlshaber der Einheit der Polnischen Armee von Zgorzelec, in Ujazd [Stadtteil von Zgorzelec]. Als ich dann Bürgermeister geworden bin, hat die Stadt die ehemalige Kaserne meiner Einheit gekauft, um diese neu zu bewirtschaften. Heutzutage befinden sich dort ein Gymnasium mit einem Sportkomplex, Wohnhäuser, sowie Unternehmens- und Firmenzentralen. Außerdem befindet sich in dem zweiten Kasernenkomplex im Stadtzentrum u.a. das Landratsamt, das Polizeirevier und das Finanzamt.

In den letzten Jahren haben sich einige Schwierigkeiten in der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland abgezeichnet.

Für den aktuellen Bewerbungsprozess wird es auch notwendig, dass die internationalen Beziehungen wieder enger werden. Die heutige Politik braucht auf jeden Fall eine gemeinsame Verständigung. Ich kann es mir nicht anders vorstellen. Wir sind – im positiven Sinne dieses Wortes – zu einer Zusammenarbeit verdammt. Das bringt beiderseitig Vorteile, nicht nur für die Ämter, auch für unsere regionale Gesellschaft. Ich bin ein Freund der Zukunft, man soll nicht nach hinten blicken. Man soll die alten Geschichten begraben.

Was wünschen sie sich für die Zukunft der Region?

Ich möchte, dass die Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen Zgorzelec und dem Landkreis Görlitz so verläuft wie während der Bewerbung der Europastadt Görlitz/Zgorzelec, damit die Bewerbung intensiver und erfolgreicher wird wie früher. Nach meinem Amtsantritt im November fand bereits ein erstes Kennenlernen- und Amtstreffen der Landratsleitung mit dem Landrat Bernd Lange statt.

Zittau möchte die gesamte Region in die Bewerbung einbeziehen. Was soll bis 2025 konkret passieren? Was können wir ihres Erachtens gemeinsam auf dem Weg bringen?

Man kann die bisherigen Erfahrungen, die die Europastadt Görlitz/Zgorzelec in ihrem Bewerbungsprozess damals gemacht hat, aktuell nutzen. Momentan kann ich leider nicht aufzählen, welche konkreten Schritte unternommen werden sollen. Ich bin gerade dabei, mich in die Prozesse einzuarbeiten. Aber in drei, vier Monaten werde ich gern auf die Frage zurückkommen. Beim nächsten Treffen direkt im Landratsamt werden wir schon die ersten Vorschläge in Rahmen unserer Zusammenarbeit vorstellen können.

Wir blicken gespannt voraus.

Herr Fiedorowicz, Danke für das Gespräch und viel Erfolg bei ihrer Arbeit.

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03. Sept. 2019|3magRedaktion

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