Das Dreiländermagazin
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Täglich grüßt das Eisbein


17. Apr. 2019

GourrrMäääh – aus den Küchen der DreiLänderRegion

Görlitz-13 Uhr - Großstadtfeeling- an der U- Bahn Station Wilhelmsplatz. Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres locken Menschen aller Altersgruppen in den idyllischen Park. Am Rande der Grünfläche gelegen, erinnert das Gebäude, das den liebevollen Namen „Schlemmerpilz“ trägt, eher an eine Haltestelle.

Wir trauen uns hinein. Die freche Begrüßung der Inhaberin hätte jeden Berliner Hipster verstummen lassen: „Ich weiß zwar nicht, was ihr wollt, aber ich mach euch erstmal einen halben Kaffee“ ruft uns Martina Bräuer entgegen. Genüsslich zieht sie an ihrer ersten Zigarette. Gut aufgepasst! Ab 13 Uhr ist das Rauchverbot im Schlemmerpilz aufgelöst. Das im Jahre 1938 erbaute Gebäude hüllt sich allmählich in Küchendunst. In der offenen Küche werden schon Gerichte für den nächsten Tag produziert. Es herrscht ein derber Ton. Wie in einer deutschen Großküche, in der purer Stress an der Tagesordnung steht, folgt ein beißendes Wort dem Anderen. Sarkasmus ist hier die ganz große Stärke, nur irgendwie liebevoll und mit sehr viel Komik. Wir fühlten uns geehrt! Authentischer kann man seine Gäste nicht empfangen, wahrnehmen und unterhalten.

Martinas Tag startet früh. Ziemlich früh sogar. Ab 4 Uhr brennen die Lichter im Schlemmerpilz. Punkt 8 Uhr kommen die ersten Mittagsgäste ihr Eisbein abholen. 200-300 Portionen hauen die Mädels tagein, tagaus über ihren Verkaufstresen; zu zweit. Das kulinarische Angebot umfasst 11 Gerichte. 4 davon wechseln täglich. Heimisches Bier vom Fass rundet einen bodenständigen Mittagsbesuch ab. Die Convenience-Stufe ist zwar ziemlich hoch, die Preise allerdings niedrig. Mehr als fair denken wir uns und ordern ein weiteres Bier. Die Stimmung ist großartig. Ab Jahresende legt die ehemalige Küchenchefin des Krankenhauses nach fast 20 Jahren im Schlemmerpilz ihr Zepter nieder-Rente. Ein Stück Stadtgeschichte geht damit zu Ende. Wir wünschen Martina alles erdenklich Gute, bedanken uns für den magischen Besuch und die Erlaubnis, darüber berichten zu dürfen.

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17. Apr. 2019|Tom Hockauf & Julian Nejkow

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