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Große Hoffnung und viele Ideen

Im Gespräch mit Martin Musílek zu #Zittau2025 und den Entwicklungen in der Dreiländerregion


23. Jul 2019

Martin Musílek ist Intendant des Varnsdorfer Theaters sowie Organisator bei MandauJazz und Neiße Filmfestival. Im Dezember 2018 wurde er von der Euroregion Neiße für die beste grenzüberschreitende Kooperation ausgezeichnet. Linda Lorenz traf ihn in seinem Büro im Theater und sprach mit ihm über #Zittau2025.

Guten Morgen, Herr Musílek. Zittau bewirbt sich mit der Euro-Neiße-Region für die Kulturhauptstadt. Was kann diese Bewerbung in Ihren Augen bewirken? Sind Sie dafür oder dagegen?

Ich bin sehr dafür. Als mir das mein Kollege Steffen Tempel erzählt hat, war ich sehr froh. Aber ich habe mich auch gefragt, ob die Bewerbung eine Bedeutung für Varnsdorf hat. Denn Zittau arbeitet meistens mit Liberec zusammen, aber nicht mit Varnsdorf. Wir haben mit Zittau gemeinsame Projekte und Festivals wie MandauJazz, das Neiße Filmfestival und das Sechsstädtebundfestival „Kommen und Gehen“. Inwiefern die Bewerbung etwas für Varnsdorf bringt, etwa in Form von einer neuen Initiative oder Geld, das werden wir noch sehen.

Haben Sie schon eine Idee, wie Sie sich beteiligen können?

Ich arbeite mit dem MandauJazz-Festival zusammen, das ist mein Projekt, und dem Neiße Filmfestival. Andere Sachen wissen wir noch nicht. Wie müssen noch entscheiden, was möglich ist und was passend wäre.

Die Euroregion ist recht groß und es gibt Städte, die fühlen sich mehr zu Zittau zugehörig als andere. Wie ist es bei Ihnen, wie verbunden fühlen Sie sich mit Zittau und warum?

Ich denke, dass Varnsdorf nicht ganz so gut verbunden ist mit Zittau. Zwar liegen wir sehr nah, aber wir sind mehr mit Liberec verbunden. Liberec ist eine wichtige Stadt für uns. Zittau ist weniger wichtig. Aber die Bewerbung ist für Zittau eine gute Chance, sich zu zeigen.

Es bewerben sich noch andere Städte in Deutschland, zum Beispiel Dresden. Was, denken Sie, unterscheidet die Region oder speziell Varnsdorf von anderen Städten in Sachsen?

Dresden ist eine sehr große Stadt mit viel Kultur, jeder kennt den Ort, in ganz Europa. Unsere Region hier ist ziemlich groß. Wir müssten sie für die Bewerbung etwas verkleinern, vielleicht durch einen Radius von 30 Kilometern. Schon Görlitz ist meiner Meinung nach zu weit weg von uns. Wenn wir all die Städte der näheren Region zusammenzählen, kämen wir auf etwa 300.000 Einwohner, das würde einer Großstadt schon näher kommen und uns konkurrenzfähig machen. Dafür müssen wir aber als Region zusammenstehen, sonst sind wir keine Konkurrenz für Dresden oder Chemnitz. Was uns ausmacht, ist, dass wir hier andere Traditionen haben, es gibt das Gebirge, und wir sind eine Dreiländerregion – das ist auch etwas Besonderes. Das hat einen ganz anderen Charakter.

Was müsste denn konkret in der Region passieren, damit Sie sich hier wohlfühlen?

In Tschechien sagt man, wir sind hier das Ende der Welt. Das stimmt. Und wenn man nach Polen, nach Bogatynia fährt, kann man es sehen, es sieht sehr schlimm aus dort. Für dieses Gebiet ist die Bewerbung vielleicht eine Chance zu zeigen, dass hier ganz normale Leute wohnen, die auch leben wollen. Ich sage immer, dass die Tschechen, die Deutschen und die Polen zusammenleben und mehr miteinander kooperieren sollen. Aber es ist nicht einfach. Angefangen mit der Sprache. Ich spreche nicht gut Deutsch und wenn ich nach Deutschland fahre, spricht niemand Tschechisch, das ist ein Problem. Aber wir müssen das überwinden.

Was würden Sie vorschlagen, um das zu ändern?

Die Bewerbung für die Kulturhauptstadt ist schon eine sehr gute Idee. Erst dachte ich, das ist nicht möglich. Vor drei Jahren war ich in Prag bei einem Theatertreffen und mein Kollege aus Pilzen sagte, sie seien jetzt Kulturhauptstadt Europas, und hielt eine Rede. Als ich mit meiner Ansprache an der Reihe war, sagte ich: „Ich komme aus Varnsdorf. Und Varnsdorf wird niemals Kulturhauptstadt sein!“ (lacht). Alle haben gelacht. Und drei Jahre später bewirbt sich Zittau. Das fand ich super. Ich habe Kulturwissenschaften studiert und wir Kulturwissenschaftler sagen, die Kultur ist alles, was nicht Natur ist. Und wenn es „Kulturhauptstadt“ heißt, dann gibt es auch immer eine Verbindung zu Politik, Kultur wie Musik und Theater, aber auch zur Architektur und so weiter.

Welche Vorteile hat es für Sie, dass Zittau sich mit den Nachbarländern bewirbt?

Ich hoffe, wenn wir uns mehr mit Zittau verbinden, dann merkt auch die Behörde der Region Ústí, dass Varnsdorf große Ambitionen hat. Die Verbindung zu den Nachbarländern kann eine Förderung der Infrastruktur hier bewirken. Außerdem wollen wir das Varnsdorfer Theater rekonstruieren. Das wird sehr kostspielig. Dann brauchen wir noch ein Nebengebäude, das viel Geld kosten wird. Aber natürlich sollen im Theater auch Veranstaltungen stattfinden. Ich habe viele Ideen dafür. Ich kann aber noch nicht alles verraten. Als Ostrava und Pilzen sich als Kulturhauptstadt beworben haben, hat Ostrava verloren. Trotzdem floss viel Geld in die Stadt, es wurde viel gebaut, Institutionen gegründet und Ostrava ist nun schöner als vorher. Das ist wichtig.

Wissen die Varnsdorfer schon von der Kulturhauptstadtbewerbung?

Noch nicht. Wir müssen das noch etwas mehr bewerben. Das ist auch meine Arbeit. Wir müssen jetzt kooperieren mit dem Kulturhauptstadtbüro und der Gruppe des Neiße-Filmfestivals und alles miteinander besprechen.

Welche persönliche Beziehung haben Sie denn zu den Nachbarländern? In dem Fall zu Polen und Deutschland?

Ich wurde hier geboren, ich wohne hier, das ist wichtig für mich. Und ich denke, dass wir mit den Nachbarländern grenzübergreifend kommunizieren müssen. Das ist wichtig, es geht gar nicht anders. Ich kenne in Polen fast niemanden, aber in Deutschland kenne ich viele Leute. Ich arbeite mit der Hillerschen Villa zusammen, wo sich auch viele für die Kulturhauptstadtbewerbung einsetzen. Das sind sehr gute Menschen. Ich liebe diese Leute.

Gibt es etwas, was Ihnen noch wichtig ist an dieser Stelle?

(lacht) Na, ich hoffe, dass es klappt. Wir müssen nur viel dafür machen. Zum Beispiel machen wir in einigen Monaten das ZiYou-Festival im Theater und dort wird es im Januar eine Pressekonferenz geben. (Mehr dazu später) Es werden viele Menschen zusammenkommen, vielleicht finden sich Unterstützer.

Vielen Dank für das Interview, Herr Musílek!

Es bewerben sich noch andere Städte in Deutschland, zum Beispiel Dresden. Was, denken Sie, unterscheidet die Region oder speziell Varnsdorf von anderen Städten in Sachsen?

Dresden ist eine sehr große Stadt mit viel Kultur, jeder kennt den Ort, in ganz Europa. Unsere Region hier ist ziemlich groß. Wir müssten sie für die Bewerbung etwas verkleinern, vielleicht durch einen Radius von 30 Kilometern. Schon Görlitz ist meiner Meinung nach zu weit weg von uns. Wenn wir all die Städte der näheren Region zusammenzählen, kämen wir auf etwa 300.000 Einwohner, das würde einer Großstadt schon näher kommen und uns konkurrenzfähig machen. Dafür müssen wir aber als Region zusammenstehen, sonst sind wir keine Konkurrenz für Dresden oder Chemnitz. Was uns ausmacht, ist, dass wir hier andere Traditionen haben, es gibt das Gebirge, und wir sind eine Dreiländerregion – das ist auch etwas Besonderes. Das hat einen ganz anderen Charakter.

Was müsste denn konkret in der Region passieren, damit Sie sich hier wohlfühlen?

In Tschechien sagt man, wir sind hier das Ende der Welt. Das stimmt. Und wenn man nach Polen, nach Bogatynia fährt, kann man es sehen, es sieht sehr schlimm aus dort. Für dieses Gebiet ist die Bewerbung vielleicht eine Chance zu zeigen, dass hier ganz normale Leute wohnen, die auch leben wollen. Ich sage immer, dass die Tschechen, die Deutschen und die Polen zusammenleben und mehr miteinander kooperieren sollen. Aber es ist nicht einfach. Angefangen mit der Sprache. Ich spreche nicht gut Deutsch und wenn ich nach Deutschland fahre, spricht niemand Tschechisch, das ist ein Problem. Aber wir müssen das überwinden.

Was würden Sie vorschlagen, um das zu ändern?

Die Bewerbung für die Kulturhauptstadt ist schon eine sehr gute Idee. Erst dachte ich, das ist nicht möglich. Vor drei Jahren war ich in Prag bei einem Theatertreffen und mein Kollege aus Pilzen sagte, sie seien jetzt Kulturhauptstadt Europas, und hielt eine Rede. Als ich mit meiner Ansprache an der Reihe war, sagte ich: „Ich komme aus Varnsdorf. Und Varnsdorf wird niemals Kulturhauptstadt sein!“ (lacht). Alle haben gelacht. Und drei Jahre später bewirbt sich Zittau. Das fand ich super. Ich habe Kulturwissenschaften studiert und wir Kulturwissenschaftler sagen, die Kultur ist alles, was nicht Natur ist. Und wenn es „Kulturhauptstadt“ heißt, dann gibt es auch immer eine Verbindung zu Politik, Kultur wie Musik und Theater, aber auch zur Architektur und so weiter.

Welche Vorteile hat es für Sie, dass Zittau sich mit den Nachbarländern bewirbt?

Ich hoffe, wenn wir uns mehr mit Zittau verbinden, dann merkt auch die Behörde der Region Ústí, dass Varnsdorf große Ambitionen hat. Die Verbindung zu den Nachbarländern kann eine Förderung der Infrastruktur hier bewirken. Außerdem wollen wir das Varnsdorfer Theater rekonstruieren. Das wird sehr kostspielig. Dann brauchen wir noch ein Nebengebäude, das viel Geld kosten wird. Aber natürlich sollen im Theater auch Veranstaltungen stattfinden. Ich habe viele Ideen dafür. Ich kann aber noch nicht alles verraten. Als Ostrava und Pilzen sich als Kulturhauptstadt beworben haben, hat Ostrava verloren. Trotzdem floss viel Geld in die Stadt, es wurde viel gebaut, Institutionen gegründet und Ostrava ist nun schöner als vorher. Das ist wichtig.

Wissen die Varnsdorfer schon von der Kulturhauptstadtbewerbung?

Noch nicht. Wir müssen das noch etwas mehr bewerben. Das ist auch meine Arbeit. Wir müssen jetzt kooperieren mit dem Kulturhauptstadtbüro und der Gruppe des Neiße-Filmfestivals und alles miteinander besprechen.

Welche persönliche Beziehung haben Sie denn zu den Nachbarländern? In dem Fall zu Polen und Deutschland?

Ich wurde hier geboren, ich wohne hier, das ist wichtig für mich. Und ich denke, dass wir mit den Nachbarländern grenzübergreifend kommunizieren müssen. Das ist wichtig, es geht gar nicht anders. Ich kenne in Polen fast niemanden, aber in Deutschland kenne ich viele Leute. Ich arbeite mit der Hillerschen Villa zusammen, wo sich auch viele für die Kulturhauptstadtbewerbung einsetzen. Das sind sehr gute Menschen. Ich liebe diese Leute.

Gibt es etwas, was Ihnen noch wichtig ist an dieser Stelle?

(lacht) Na, ich hoffe, dass es klappt. Wir müssen nur viel dafür machen. Zum Beispiel machen wir in einigen Monaten das ZiYou-Festival im Theater und dort wird es im Januar eine Pressekonferenz geben. (Mehr dazu später) Es werden viele Menschen zusammenkommen, vielleicht finden sich Unterstützer.

Vielen Dank für das Interview, Herr Musílek!

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23. Jul 2019|Linda Lorenz

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